Discussion:
Trambahn-Westtangente und Diskussion in den Stadtvierteln
(zu alt für eine Antwort)
Stephan Hurler
2016-12-07 15:34:54 UTC
Permalink
Aus halbwegs aktuellem Anlass und aufgrund jüngerer Berichterstattung,
z.B:
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/westtangente-einfach-nur-ein-
wahnsinn-1.3282601
möchte ich das Thema der "drei Fahrspuren pro Richtung in der
Fürstenrieder Str." hier einmal ansprechen.

In meiner Sichtweise als Beinahe-Anwohner vom Südende gibt's die nämlich
eh fast nirgends wirklich, selbst im aktuellen Bautenstand:

Von der A95 bis zur Waldfriedhofstr. nordwärts nur für wenige hundert
Meter, und das auch noch von einer Fußgänger-Drückampel auf Höhe
Waldfriedhof Haupteingang unterbrochen und mit einem "halbwilden"
Wendeloch im Mitteltrenner in dem Bereich. An der Kreuzung mit der
Waldfriedhofstr. führen nur zwei Spuren weiter nach Norden, die dritte
ist eine Rechtsabbiegespur. In Südrichtung sieht's ähnlich aus,
dreispurig (und selten ausgelastet) ist's da auch nur kurz vor dem
Abzweig auf die Autobahn.

Von der Waldfriedhofstr. bis zur U-Bahn Holzapfelkreuth (Kreuzung
Guardinistr.) sind's je nach Tageszeit auch nur 2 Spuren nordwärts,
rechts darf tlw. geparkt werden. Nach Süden sind's schon eher 3 Spuren,
allerdings ist die linke als durchgehende Linksabbiegespur ausgezeichnet.
Somit auch eher 2, zumindest der Intention nach. Die Kapazität wird hier
(gerade südwärts) zur Stoßzeit ohnehin eher durch Ampelrückstau begrenzt
als durch die Straßenbreite.

Von dort bis zu den Allguth-Tankstellen würde ich die Straße sogar als
effektiv einspurig bezeichnen: nord- und südwärts sind hier
Rechtsabbieger in Richtung Tankstellen und Linksabbieger in die
Seitenstraßen häufig, zusätzlich zum Busverkehr, sodass der Verkehr
geradeaus oft allein über die mittlere Spur abfließt. Hier wäre ein
"Rückbau" auf 2 Spuren geradeaus mit Abbiegespuren sogar ein Ausbau!

Von den Tankstellen bis zur A96 kann man von 3 Spuren in beide Richtungen
sprechen; diese sind allerdings auch selten ausgelastet, wenn nicht durch
Rückstau von Abbiegespuren (z.B. von der Fürstenrieder Str. nordwärts auf
die A96 westwärts). Hier sollte man beim Umbau schauen, dass das nicht
schlimmer wird.

Nordwärts der A96 bis zum Laimer Kreisel ist die Verkehrsbelastung
ohnehin geringer (laut MVG-Unterlagen ca. 25.000 Kfz/Tag vs. ca. 40.000
südlich). Dort sind auch weite Strecken mit zeitweiligen Parkspuren,
Busspuren udgl. versehen, die auch nur 2 Spuren je Richtung übrig lassen.
An den Kreuzungen mit erlaubten Linksabbiegern wäre eine gute Planung mit
Linksabbiegespuren auch oft ein Gewinn gegenüber der jetzigen Situation,
wo ein einziger Linksabbieger schnell mal nur mehr eine Spur für den
durchgehenden Verkehr freilässt.

Außerdem sollte man natürlich nicht vergessen, dass die Bus-Armada, die
derzeit auf der Straße unterwegs ist (in manchen Abschnitten tlw.
überlagerte Takte mit Abständen im Bereich von 1-2 Minuten mit Gelenk-
oder Anhängerbussen!) weitestgehend durch die Tram ersetzt wird; somit
wird die rechte Spur deutlich leerer, und die Busspur z.B. von der Agnes-
Bernauer-Str. bis zum Laimer Kreisel wird hinfällig.

Ich erwarte mir also (bei guter Planung an den Knotenpunkten!) sogar
eine mögliche Verbesserung (im Sinne von Verflüssigung, bei gleicher
Menge) des Autoverkehrs.

Ähnliches war ja auch in Augsburg zu beobachten, als diverse 2x2-spurige
Ausfallstraßen für die Straßenbahn auf 2x1-spurig mit Abbiegespuren
"rückgebaut" wurden.

Eine gewisse Verdrängung des "Autobahnring"-Verkehrs zwischen A96 und A95
hin zum neuen Tunnel in der Garmischer Straße dürfte natürlich kommen,
und von der Stadt auch gewollt sein (teuer war der Tunnel ja nun, da darf
er auch genutzt werden). Ist für die Anwohner in der südlichen
Fürstenrieder Str. aber auch kein Schaden, meine ich, wenn der
Durchgangsverkehr etwas wegverlagert wird, und die Abgase stärker an den
Tunneleinfahrten konzentriert werden...

Ich frage mich nur, wie man den aufgeregten Autofahrern und
automobilbesitzenden Anwohnern v.a. von der Westseite der Straße das
realistisch vermitteln kann?
--
Stephan Hurler
Jakob Krieger
2016-12-18 23:24:31 UTC
Permalink
On 12/07/2016 04:34 PM, Stephan Hurler wrote:

[...]
Post by Stephan Hurler
Ich erwarte mir also (bei guter Planung an den Knotenpunkten!) sogar
eine mögliche Verbesserung (im Sinne von Verflüssigung, bei gleicher
Menge) des Autoverkehrs.
Ähnliches war ja auch in Augsburg zu beobachten, als diverse 2x2-spurige
Ausfallstraßen für die Straßenbahn auf 2x1-spurig mit Abbiegespuren
"rückgebaut" wurden.
Flüssigen Autoverkehr hat man dann, wenn alle
- mit exakt der gleichen Geschwindigkeit fahren
(50 km/h, wenn 50 erlaubt)
- Abstand halten
(bei 50 km/h zumindest nicht unter 15 m auffahren)
- Spur halten
(Spurwechsel auch mit diesem komischen Hebel links ankündigen)

Diese Fertigkeiten sind beim städtischen Durchschnittsfahrer eher selten
anzutreffen. Auf zweispurigen innerstädtischen Fahrbahnen werden
Geschwindigkeit und Spur grundlos und spontan gewechselt. Falschparker
führen die Doppelspur ebenso ad absurdum wie Zickzackfahrer und
'Rennfahrer'. So passen statt 8 nur 3-4 Pkw auf 100 m Strecke.
Einzig im Stau-Betrieb fassen die 2 Spuren mehr Fahrzeuge.

Insofern ist das Augsburg-Beispiel mit 1 Richtungsspur sogar logisch
(das wird man politisch allerdings nicht durchsetzen können, vor allem
bei der Charismatischen Selbstfahrer-Union).


Die Busspur (und alle 3 Linien) in der Fürstenrieder Straße soll ja
immerhin wegfallen ... der Grund dafür, dass es zwar Richtung Norden
eine solche gibt, Richtung Süden aber nicht, ist übrigens die
Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Stadtteilen und BA
(Sendling-Westpark: Spd-Grüne, Busspur / Hadern: Csu, keine Busspur) ...


Im Prinzip gehören die Buslinien, die mit meist übervollen
Hüpf-Anhänger-Bussen fahren auf Tram umgestellt.

Zum Vergleich: Zwischen 1898 und 1902 kauft München 250 Tramnahnen (Typ
A, einer davon ist noch fahrbereit), 1908 wurde die Strecke nach Pasing
gebaut, dort erreichte man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 18
km/h - nur geringfügig langsamer als heute (abgesehen von den
'Rennstrecken' nach Moosach und Grünwald) und ersetzte damit die
langsamen und im Betrieb sehr teuren Pferdebahnen.



jk

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